Interim Head of Legal: die ersten 30 Tage
Bedarf besprechenKurzantwort: In den ersten 30 Tagen klärt ein Interim Head of Legal sein Mandat, versteht Team, laufende Mandate und Risiken und setzt verbindliche Prioritäten. Woche 1 dient Gesprächen und der Bestandsaufnahme, Woche 2 den Prioritäten und ersten Entlastungen, Woche 3 und 4 dem Team, der Kanzleisteuerung und dem Budget. Wir empfehlen, am Tag 30 der Geschäftsleitung einen kurzen Bericht mit Risiken, Prioritäten und Plan bis zum Einsatzende vorzulegen.
Dieser Ratgeber richtet sich an CEOs, CFOs, HR-Verantwortliche und General Counsel in der Schweiz und in Deutschland, die eine Rechtsabteilung vorübergehend von einer Interim-Leitung führen lassen. Er zeigt, was vor dem Start feststehen muss, was in welcher Woche geschieht und woran Sie den Erfolg der ersten 30 Tage erkennen.
Vor dem Start: Mandat, Befugnisse und Berichtslinie klären
Ein Interim Head of Legal kann nur so schnell wirken, wie sein Mandat klar ist. Bevor der erste Arbeitstag beginnt, sollte das Unternehmen fünf Punkte schriftlich festhalten.
- Anlass und Ziel: Vakanz bis zur Nachfolge, Abwesenheit der Leitung, Reorganisation oder ein Vorhaben, das die bisherige Leitung bindet. Daraus folgt, ob Stabilisieren, Aufbauen oder Übergeben im Vordergrund steht.
- Befugnisse: Welche Entscheidungen trifft die Interim-Leitung allein, welche nur mit Freigabe? Dazu gehören Vollmachten, Zeichnungsrechte, Budgetkompetenz und die Mandatierung externer Kanzleien.
- Berichtslinie: an CEO, CFO oder Verwaltungsrat bzw. Vorstand, mit festem Termin, etwa wöchentlich.
- Pensum und Erreichbarkeit: Vollzeit oder Teilzeit, Präsenztage vor Ort, Regeln für dringende Anfragen und Stellvertretung.
- Einsatzende: Übergabe an die Nachfolge, Rückkehr der Leitung oder Abschluss des Vorhabens.
Auch das Einsatzmodell bestimmt die Steuerung. Im Staff Leasing liegt das fachliche Weisungsrecht grundsätzlich beim Unternehmen, und die Interim-Leitung ist in die Organisation integriert. In der Schweiz heisst das Personalverleih, in Deutschland Arbeitnehmerüberlassung. Im Freelancing erbringt die Fachkraft ihre Leistung eigenverantwortlich im Rahmen des vereinbarten Mandats. Wie sich die Modelle unterscheiden, zeigt der Vergleich Fractional GC oder Interim Head of Legal.
Praktisch vorbereitet sein sollten zudem Systemzugänge, eine Liste der laufenden Mandate und Fristen, das Organigramm der Rechtsabteilung, die Kanzleiliste mit Budgets sowie die geltenden Richtlinien zu Unterschriften und Freigaben. Eine allgemeine Liste für den Start temporärer Fachkräfte finden Sie im Ratgeber zum Onboarding von Interim-Fachkräften.
Der 30-Tage-Plan im Überblick
Der Plan teilt die ersten 30 Tage in drei Phasen mit je einem klaren Ergebnis. Die Tabelle eignet sich als Vorlage für das Kick-off mit der Geschäftsleitung.
| Woche | Ziel | Ergebnis |
|---|---|---|
| Vor dem Start | Mandat, Befugnisse, Berichtslinie und Zugänge festlegen | Schriftliches Mandat, Vollmachten, Kick-off-Termin |
| Woche 1 | Zuhören und Bestandsaufnahme | Gesprächsnotizen, Liste laufender Mandate und Fristen, erste Risikoliste |
| Woche 2 | Prioritäten setzen und erste Entlastung schaffen | Priorisierte Liste, Intake-Regel für neue Anfragen, zwei bis drei erledigte Quick Wins |
| Woche 3–4 | Team, Kanzleisteuerung und Budget ordnen | Aufgabenverteilung im Team, Kanzleiübersicht mit Budgetstand, Übergabedokument begonnen |
| Tag 30 | Geschäftsleitung informieren und Kurs bestätigen | 30-Tage-Bericht mit Risiken, Prioritäten, Ressourcenbedarf und Plan bis zum Einsatzende |
Woche 1: Gespräche, Risiken und laufende Mandate
In der ersten Woche hört eine Interim-Leitung vor allem zu und verschafft sich einen vollständigen Überblick über laufende Mandate und Fristen. Entscheidungen fallen nur, wo eine Frist oder ein Risiko es verlangt.
Gespräche
- Geschäftsleitung und Auftraggeber: Erwartungen, Prioritäten, heikle Themen.
- Jedes Teammitglied einzeln: Aufgaben, Auslastung, offene Punkte, Ideen.
- Wichtige interne Kunden wie Einkauf, Vertrieb, HR, Finanzen und Compliance.
- Die zwei bis drei wichtigsten externen Kanzleien.
Bestandsaufnahme
- Laufende Verfahren, Transaktionen und Verhandlungen mit Fristen.
- Offene Rechtsrisiken, etwa aus Verträgen, Behördenanfragen oder internen Meldungen.
- Vertragsrückstand: Anzahl offener Prüfungen und Alter der ältesten Anfrage.
- Gremientermine wie Verwaltungsrats- oder Aufsichtsratssitzungen und Generalversammlung.
Ergebnis der Woche ist eine einfache Liste: Mandat, Frist, Verantwortliche Person, Risiko hoch, mittel oder tief. Diese Liste ist zugleich der Grundstein für die spätere Übergabe.
Woche 2: Prioritäten und Quick Wins
In der zweiten Woche legt die Interim-Leitung fest, was zuerst erledigt wird, was warten kann und was nicht mehr bei der Rechtsabteilung liegt. Die Priorisierung stimmt sie mit dem Auftraggeber ab.
- Kritische Fristen sichern: Jede Frist der nächsten 60 Tage hat eine verantwortliche Person und eine Stellvertretung.
- Intake regeln: Neue Anfragen kommen über einen Kanal, mit Angabe von Dringlichkeit und Geschäftswert.
- Quick Wins wählen: zwei bis drei sichtbare Entlastungen, etwa eine Freigaberegel für Standardverträge, ein Musterdokument oder der Abbau der ältesten Vertragsanfragen.
- Eskalationsweg festlegen: Wer entscheidet, wenn Fachbereich und Rechtsabteilung uneinig sind?
Quick Wins sollen Vertrauen schaffen, nicht den Plan der künftigen Leitung vorwegnehmen. Grundlegende Umbauten wie neue Strukturen oder Stellenprofile gehören in den Bericht an die Geschäftsleitung, nicht in die zweite Woche.
Woche 3–4: Team, Kanzleisteuerung und Budget
In Woche 3 und 4 ordnet die Interim-Leitung die Arbeit im Team, die Zusammenarbeit mit Kanzleien und das Budget. Ziel ist eine Rechtsabteilung, die ohne Rückfragen an die Leitung im Alltag funktioniert.
Team
- Aufgaben nach Stärken und Auslastung verteilen, Vertretungen festlegen.
- Kurze Teamroutine einführen, etwa ein wöchentliches Fristen- und Prioritätenmeeting.
- Kapazitätslücken benennen. Fehlt neben der Leitung auch Bearbeitungskapazität, kann ein zusätzlicher Interim Legal Counsel auf Junior-, Experienced- oder Senior-Level das Team ergänzen.
Kanzleisteuerung und Budget
- Übersicht aller laufenden Kanzleimandate mit Auftrag, Honorarbasis, bisherigen Kosten und erwarteten Restkosten.
- Regeln für neue Mandatierungen: wer darf beauftragen, ab welchem Betrag braucht es eine Freigabe.
- Abgleich mit dem Budget der Rechtsabteilung und Hinweis auf erwartete Überschreitungen.
Parallel beginnt das Übergabedokument. Wer ab Woche 3 Entscheidungen, offene Punkte und Kontakte festhält, spart am Einsatzende Wochen. Wie die spätere Übergabe an eine Festbesetzung abläuft, beschreibt der Ratgeber vom Interim Head of Legal zur Festbesetzung.
Der 30-Tage-Bericht an die Geschäftsleitung
Bewährt hat sich ein 30-Tage-Bericht von zwei bis vier Seiten, der der Geschäftsleitung zeigt, wo die Rechtsabteilung steht und was bis zum Einsatzende geschieht. Er schafft eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen.
- Lage: Team, Auslastung, laufende Mandate und Rückstand in wenigen Sätzen.
- Top-Risiken: fünf bis zehn Rechtsrisiken mit Bewertung und vorgeschlagener Massnahme.
- Prioritäten: was bis zum Einsatzende erledigt wird, mit Terminen.
- Entscheidungsbedarf: Fragen, die nur die Geschäftsleitung beantworten kann, etwa Budget, Kanzleiwahl oder Stellenplan.
- Ressourcen: ob Kapazität fehlt und in welcher Form sie ergänzt werden könnte.
- Übergabe: geplanter Ablauf bis zur Nachfolge oder zur Rückkehr der Leitung.
Den Bericht stellt die Interim-Leitung persönlich vor. Danach bestätigt oder ändert die Geschäftsleitung die Prioritäten. Das schützt beide Seiten vor unausgesprochenen Erwartungen.
Woran Sie erkennen, dass die ersten 30 Tage gelungen sind
Gelungen sind die ersten 30 Tage, wenn keine Frist verpasst wurde, Prioritäten schriftlich bestätigt sind und das Team weiss, wer was entscheidet. Messbar sind zum Beispiel:
- alle Fristen der nächsten 60 Tage mit Verantwortlichen erfasst,
- Risikoliste und Kanzleiübersicht vollständig,
- Zahl und Alter offener Vertragsanfragen gegenüber dem Start gesunken oder stabil,
- 30-Tage-Bericht vorgestellt und Prioritäten bestätigt,
- Übergabedokument angelegt.
Grenzen und Risiken
- Unklare Befugnisse: Fehlen Vollmachten oder Zeichnungsrechte, kann die Interim-Leitung nicht entscheiden, und Anfragen stauen sich. Das ist vor dem Start zu regeln.
- Zu viel Umbau: Grosse Reorganisationen ohne Auftrag belasten die künftige Leitung. Strukturfragen gehören in den Bericht.
- Verantwortung bleibt im Unternehmen: Alpinum Solutions stellt Fach- und Führungskräfte bereit und ist keine Kanzlei. Das Unternehmen steuert den Einsatz und trägt die Verantwortung für seine Rechtsfunktion.
- Freelancing und Führung: Führt eine freiberufliche Interim-Leitung ein Team und ist in die Organisation eingegliedert, spricht das in Deutschland für eine Beschäftigung (§ 7 Abs. 1 SGB IV). Klarheit schafft das Statusfeststellungsverfahren (§ 7a SGB IV). In der Schweiz beurteilt die AHV-Ausgleichskasse den Status nach den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen. Für eine integrierte Führungsrolle ist Staff Leasing deshalb oft das passendere Modell.
- Formale Funktionen: Soll die Interim-Leitung zusätzlich eine formale Funktion übernehmen, etwa als Datenschutzbeauftragte, hängt das von den Anforderungen des Unternehmens und den Vorgaben in der Schweiz oder in Deutschland ab.
- Teilzeit ohne Regeln: Eine Interim-Leitung mit 60 % braucht feste Präsenztage und eine Stellvertretung für dringende Fälle.
Häufige Fragen zum Start eines Interim Head of Legal
Welche Befugnisse braucht ein Interim Head of Legal?
Ein Interim Head of Legal braucht die Befugnisse, die er für den Alltag der Rechtsabteilung benötigt: Prioritäten im Team setzen, Kanzleien im vereinbarten Budget mandatieren und Standardverträge freigeben. Ob er Vollmachten oder Zeichnungsrechte erhält, entscheidet das Unternehmen. Wichtig ist, dass diese Befugnisse vor dem ersten Arbeitstag schriftlich feststehen und intern bekannt sind.
Arbeitet ein Interim Head of Legal in Teilzeit oder Vollzeit?
Beides ist möglich. Weil eine Interim-Leitung ein Team führt und für dringende Fragen erreichbar sein muss, ist in den ersten Wochen Vollzeit häufiger. Nach der Stabilisierung kann das Pensum sinken, etwa auf drei oder vier Tage pro Woche. Voraussetzung sind feste Präsenztage, eine Stellvertretung und klare Regeln für dringende Anfragen.
Wie wird der Erfolg eines Interim Head of Legal gemessen?
Der Erfolg wird an vereinbarten Ergebnissen gemessen, nicht an Stunden. In den ersten 30 Tagen zählen gesicherte Fristen, eine bestätigte Prioritätenliste, eine vollständige Risiko- und Kanzleiübersicht und ein vorgestellter Bericht. Bis zum Einsatzende kommen Ziele aus dem Mandat hinzu, etwa ein abgebauter Vertragsrückstand oder eine dokumentierte Übergabe an die Nachfolge.
Was sollte ein Interim Head of Legal in den ersten Wochen nicht tun?
Er sollte keine grundlegenden Umbauten anstossen, für die er keinen Auftrag hat, etwa neue Stellenprofile oder einen Kanzleiwechsel ohne Abstimmung. Solche Fragen gehören in den 30-Tage-Bericht. Ebenso wenig sollte er Aufgaben an sich ziehen, die das Team erledigen kann, weil sonst die Übergabe am Einsatzende schwieriger wird.
Wie schnell kann ein Interim Head of Legal starten?
Ausgewählte Profile liegen bei Alpinum Solutions in der Regel innerhalb von 48 Stunden vor; den Einsatzbeginn stimmen Unternehmen und Alpinum gemeinsam ab. Wann die Person tatsächlich beginnt, hängt von ihrer Verfügbarkeit, den Gesprächen, dem Vertrag und den vorbereiteten Zugängen ab.
Nächster Schritt
Alpinum Solutions stellt Unternehmen in der Schweiz und in Deutschland juristische Führungskräfte über Staff Leasing und Freelancing bereit, in Teilzeit oder Vollzeit. Beschreiben Sie Anlass, Team und gewünschtes Einsatzende, und Sie erhalten ausgewählte Profile.
- Interim Head of Legal: Führung für die Übergangsphase
- Onboarding von Interim-Fachkräften: Checkliste für Tag 1 bis 30
- Staff Leasing für Legal und Compliance
- Bedarf besprechen
Stand: 30. Oktober 2026.
