Kostenmodelle im Interim Legal & Compliance in Deutschland und der Schweiz

Projektjurist
Interim-Juristen und Compliance-Experten auf Zeit werden in Unternehmen zunehmend als flexible Ressource eingesetzt – doch wie werden solche Interim Legal & Compliance-Einsätze abgerechnet? In Deutschland und der Schweiz haben sich verschiedene Kostenmodelle etabliert. Üblich sind vor allem Tagessatz (Tageshonorar) und Stundensatz (stundenweise Abrechnung). Darüber hinaus gibt es Paketpreise für definierte Projekte sowie Managed Service-Modelle, bei denen ganze Rechtsdienstleistungen ausgelagert werden. Im Folgenden beleuchten wir diese Modelle und vergleichen die öffentlich bekannten Preisangaben verschiedener Anbieter aus der Schweiz und Deutschland. Dabei zeigt sich: Während einige Unternehmen ihre Preisspannen transparent nennen, halten andere Anbieter konkrete Tarife unter Verschluss.
Tagessatz – Tageshonorare für Interim-Einsätze
Der Tagessatz ist ein festes Honorar pro Einsatztag eines Interim-Juristen. Insbesondere in der Schweiz ist die Abrechnung ganzer Tage gebräuchlich, was für Auftraggeber Planungssicherheit über den Tagesaufwand schafft. Ein Tagessatz deckt typischerweise rund 8.4 Stunden Arbeitszeit ab. Für Unternehmen mit kontinuierlichem Bedarf – etwa zur Vertretung bei Mutterschaftsurlaub oder zur Unterstützung eines Grossprojekts – bietet das Tageshonorar den Vorteil, dass der Interim Legal Professional bzw. Projektjuristen voll in den Betriebsablauf integriert und anwesenheitspflichtig ist, ähnlich einem internen Mitarbeiter (nur eben befristet). In der Schweiz werden Tagessätze in Schweizer Franken (CHF) angegeben und verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer.
Beispielhafte Preisspannen: Alpinum Solutions veröffentlicht transparente Tagessätze (Schweiz) und Stundensätze (Deutschland) für Projektjuristen je nach Erfahrungsstufe. In der Schweiz liegen die Tageshonorare etwa zwischen CHF 500 für Junior-Profile und CHF 1’800+ für sehr erfahrene Senior-Juristen. Solche Tagespauschalen ermöglichen es Unternehmen in Zürich, Genf oder Basel ebenso wie in deutschen Konzernen mit Sitz in München oder Frankfurt, Interim-Juristen tageweise flexibel einzusetzen, ohne sich langfristig zu binden.
Stundensatz – Abrechnung nach Stundenaufwand
Im deutschen Markt ist der Stundensatz die gängigste Abrechnungsform für Interimslösungen. Hier wird jede produktiv geleistete Stunde des Interim-Juristen zu einem festen Satz (EUR/h) vergütet. Das Modell bietet maximale Flexibilität, da Unternehmen nur den tatsächlichen Aufwand bezahlen. Besonders bei kürzeren Einsätzen oder Teilzeit-Projekten – etwa zur Abfederung von Workloads in Spitzenzeiten – ist die stundenweise Abrechnung sinnvoll. Die Spanne der Stundensätze richtet sich vor allem nach Erfahrung und Spezialisierung des Juristen. Für einfache Tätigkeiten oder Junior-Profile können z.B. 50–70 € pro Stunde anfallen, während hochqualifizierte Senior Counsel mit spezieller Expertise (z.B. im Finanzrecht oder Compliance) auch über 150 € pro Stunde kosten können.
Ein Blick auf veröffentlichte Preise bestätigt diese Bandbreite. Alpinum Solutions gibt für Deutschland Stundensätze von rund 50 € (Reviewer-Ebene) bis 180+ € (Senior-Jurist) an[5][6]. Flex Suisse bewegt sich in einem ähnlichen Rahmen mit etwa 50–160 € pro Stunde für Interim-Juristen in Deutschland. Der deutsche Anbieter Staterius unterscheidet zudem zwischen voll zugelassenen Rechtsanwälten und Wirtschaftsjuristen: Ein Junior-Volljurist wird hier mit ca. 70–90 €/h berechnet, Senior-Volljuristen liegen bei 110–180 €/h (jeweils zzgl. USt.). Wirtschaftsjuristen (ohne Anwaltszulassung) werden etwas günstiger angeboten (z.B. 60–70 € im Junior-Bereich). Diese Zahlen zeigen: Die Stundenhonorare für Interim Legal & Compliance liegen zwar deutlich unter den typischen Kanzlei-Stundensätzen, sind aber abhängig von Qualifikation und Einsatzgebiet kräftig gestaffelt.
Paketpreise – Pauschale Tagessätze für Grossprojekte
Neben der minutengenauen Abrechnung per Stunde oder Tag bieten manche Dienstleister Paketpreise an. Dabei vereinbart man standardisierte Preise für ein definiertes Projekt. Solche Pauschalmodelle kommen insbesondere bei Grossprojekten etwa zum Zug, wenn die gesuchten Profile der Spezialisten klar umrissen sind. Für den Auftraggeber hat ein Paketpreis den Vorteil hoher Kostensicherheit: Es kommt für jeden Spezialisten auf dem Projekt derselbe Tagessatz oder Stundensatz zur Anwendung.
Managed Service – Ausgelagerte Rechtsabteilungen zum Festpreis
Ein Managed Legal Service geht noch einen Schritt weiter als einzelne Interim-Einsätze. Hier übernimmt ein Dienstleister komplett ein Rechts- oder Compliance-Projekt oder sogar eine ganze Funktion im Outsourcing. Statt nur Personal bereitzustellen, liefert der Anbieter ein Ergebnis oder eine laufende Dienstleistung – etwa die dauerhafte Betreuung eines Compliance-Programms, die Abwicklung aller Vertragsprüfungen oder die Durchführung interner Untersuchungen – und stellt dafür ein eigenes Team zusammen. Die Abrechnung erfolgt häufig in Form eines festen monatlichen Entgelts oder projektbezogenen Pauschalen, die Service-Level und Leistungsumfang abdecken. Dieses Modell wird vor allem von größeren alternativen Rechtsdienstleistern oder Kanzlei-Ablegern angeboten, um Unternehmen eine Rundum-Lösung zu bieten, die über die zeitweise Einbindung einzelner Juristen hinausgeht.
Transparenz und Reichweite der Anbieter: Ein Marktvergleich
Ein Vergleich der Anbieter zeigt deutliche Unterschiede in Preistransparenz und geographischer Reichweite. Positiv hervorzuheben sind Firmen wie Alpinum Solutions, Flex Suisse und Staterius, die offen mit ihren Preisen werben. Alpinum Solutions etwa veröffentlicht auf seiner Website detaillierte Spannen für Stunden- und Tagessätze nach Erfahrungslevel sowohl für die Schweiz als auch für Deutschland. Flex Suisse wirbt ebenfalls mit „transparenten & branchenführenden Preisen“ und nennt klar die Stundensätze in Deutschland sowie Tageshonorare in der Schweiz. Staterius stellt seine Stundenhonorare nach Seniorität und Profil online, wodurch Kunden eine Vorstellung „auf einen Blick“ von den anfallenden Kosten erhalten. Diese Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht Rechtsabteilungen, die Angebote verschiedener Dienstleister besser einzuordnen.
Demgegenüber machen andere prominente Anbieter keine konkreten Preisangaben öffentlich. Weder auf der Website von Interim Legal (einem Schweizer ALSP) noch bei internationalen Playern wie Axiom findet sich eine Preisliste – Interessenten müssen hier individuell anfragen. Auch neuere Plattformen à la EQWAL oder etablierte flexible Kanzlei-Modelle wie Pinsent Masons Vario nennen online keine festen Stundensätze. Axiom beschreibt sein Preismodell beispielsweise nur abstrakt (Stunden-, Tages- oder Monatspauschalen nach Aufwand). Für einkaufende Unternehmen bedeutet dies, dass ein direkter Preisvergleich erschwert wird, wenn nicht zumindest ungefähre Richtwerte öffentlich zugänglich sind.
Unterschiede zeigen sich auch in der regionalen Aufstellung der Dienstleister. Alpinum Solutions ist sowohl in der Schweiz, in Deutschland als auch in Liechtenstein aktiv mit Büros in Zürich, Frankfurt und Vaduz – und kann grenzüberschreitend beraten. Flex Suisse deckt ebenfalls den Schweizer und deutschen Markt ab (inklusive Liechtenstein). Die meisten übrigen Anbieter agieren hingegen hauptsächlich national: Staterius konzentriert sich auf Deutschland (von Frankfurt aus), Interim Legal auf die Schweiz (Sitz in Zürich). Globale Anbieter wie Axiom oder Vario unterhalten zwar Niederlassungen in mehreren Ländern, sind aber im deutschsprachigen Raum noch relativ neu und veröffentlichen – wie erwähnt – keine lokalen Preisbeispiele. Für General Counsels und Rechtsabteilungen in Deutschland und der Schweiz lohnt es sich daher, genau hinzuschauen: Transparente Preisangaben wie bei Alpinum Solutions bieten eine Orientierungshilfe und sprechen für ein gewisses Selbstvertrauen der Anbieter in ihr Preis-Leistungs-Verhältnis.
Insgesamt zeigt sich, dass Interim Legal & Compliance Services heute vielfältige Abrechnungsmodelle bieten – vom flexiblen Stundensatz über den planbaren Tagessatz bis hin zu Pauschalpaketen und Managed Services. Unternehmen in Deutschland und der Schweiz finden damit Lösungen nach Mass für temporären juristischen Support. Die Wahl des passenden Kostenmodells hängt von den Bedürfnissen des Projekts ab: Geht es um kurzfristige Unterstützung für ein paar Stunden pro Woche, um tageweise Expertise vor Ort, oder gar um die komplette Übernahme eines Rechtsprozesses? Entsprechend sollten Budgetierung und Transparenz der Angebote in die Entscheidung einfließen. Die gute Nachricht: Zumindest einige Anbieter in der DACH-Region machen die Kosten vergleichsweise durchsichtig – ein Schritt, der dem Markt mehr Klarheit und Wettbewerb bringt und letztlich den Unternehmen zugutekommt, die auf Interim-Juristen setzen.
Wie viel Kostet der Einsatz eines Projektjuristen?
ALSPs bieten transparente Modelle für die Abrechnung, sei es auf Stundenbasis oder Tagesbasis. Dies bietet Unternehmen eine klare Kostenstruktur und Kostensicherheit. Alternative Legal Service Provider (ALSP) sind damit die ideale Wahl für flexible Modelle in Corporate Legal Departments.



