Business Case für temporäre Legal- oder Compliance-Unterstützung: So überzeugen Sie CFO und HR
Bedarf besprechenKurzantwort: Ein überzeugender Business Case für temporäre Legal- oder Compliance-Unterstützung beantwortet auf einer Seite fünf Fragen: Welches Problem besteht, was kostet es, nichts zu tun, welche Lösung wird vorgeschlagen, welches Budget braucht sie und welche Risiken bleiben. Das Budget rechnen Sie als Tage pro Woche × Wochen × Tagessatz; bei Alpinum Solutions liegt ein Experienced-Profil im Staff Leasing in Deutschland bei EUR 720–960 pro Tag, in der Schweiz bei CHF 800–1'200 (exkl. MWST, Stand 18.10.2026). Entscheidend für CFO und HR ist der Vergleich mit den Kosten der Untätigkeit, nicht der Tagessatz allein.
Dieser Ratgeber richtet sich an General Counsel, Heads of Legal und Heads of Compliance in der Schweiz und in Deutschland, die intern Budget für einen Interim-Einsatz beantragen müssen. Er zeigt, wie Sie einen Business Case für die Rechtsabteilung aufbauen, ein Rechenbeispiel darstellen, typische Einwände beantworten und alles auf einer Seite zusammenfassen.
Ausgangslage beschreiben: Volumen, Fristen, Risiken
Die Ausgangslage überzeugt, wenn sie in Zahlen aus Ihrem eigenen Haus beschrieben ist und nicht als allgemeine Überlastung. Finanzverantwortliche entscheiden über Mengen, Termine und Risiken, nicht über Gefühle. Sammeln Sie deshalb vor dem Antrag diese Angaben:
- Auslöser: Vakanz, Elternzeit oder Mutterschaftsurlaub, Krankheit, Transaktion, regulatorisches Projekt oder Backlog.
- Volumen: offene Verträge, Anfragen oder Dossiers und ihr Zuwachs pro Woche, aus Ticketsystem, Register oder E-Mail-Postfach.
- Fristen: regulatorische Stichtage, Signing- oder Closing-Termine, Prüfungsfeststellungen mit Umsetzungsfrist.
- Kapazität: verfügbare Stunden im Team gegenüber den Stunden, die das Volumen verlangt.
- Folgen im Geschäft: verzögerte Abschlüsse im Vertrieb, wartende Lieferantenverträge, zurückgestellte Projekte.
Wie Sie die Lücke zwischen Bedarf und Kapazität berechnen, zeigt der Ratgeber Kapazität der Rechtsabteilung berechnen.
Kosten der Untätigkeit: Kanzleistunden, Verzögerungen, Bussgeldrisiken
Die Kosten der Untätigkeit sind der Vergleichsmassstab, an dem ein Interim-Budget gemessen wird. Ohne diesen Abschnitt vergleicht die Geschäftsleitung den Tagessatz mit null. Drei Kostenarten lassen sich meist belegen:
- Externe Kosten: Routinearbeit, die mangels interner Kapazität an Kanzleien geht. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Kanzleirechnungen der letzten Monate: Stunden × vereinbarter Satz.
- Verzögerungskosten: Umsatz, der wegen offener Verträge später verbucht wird, oder Projekte, die sich verschieben. Hier hilft eine konservative Schätzung mit dem Fachbereich.
- Regulatorische Risiken: verpasste Fristen, offene Prüfungsfeststellungen oder unvollständige Dokumentation. Nennen Sie die betroffene Vorgabe und die Frist, nicht eine hypothetische Bussgeldhöhe.
Hinzu kommen schwerer messbare Kosten: Überstunden im Team, Fluktuationsrisiko und Führungskräfte, die operative Arbeit übernehmen. Beschreiben Sie sie kurz, aber rechnen Sie nicht mit ihnen. Ein Business Case, der nur auf belegten Zahlen ruht, ist schwerer anzugreifen.
Lösung und Budget mit Rechenbeispiel
Die Lösung beschreibt, welche Rolle in welchem Pensum für welche Dauer eingesetzt wird und welches Ergebnis am Ende steht. Das Budget folgt aus einer einfachen Formel: Tage pro Woche × Wochen × Tagessatz, zuzüglich vereinbarter Nebenkosten und MWST.
Rechenbeispiel Deutschland (Mengen und gewählter Satz sind Annahmen)
- Annahme Anlass: Vakanz eines Legal Counsel, die Nachbesetzung startet voraussichtlich in fünf Monaten.
- Annahme Lösung: Experienced Legal Counsel (3–6 Jahre) im Staff Leasing, 4 Tage pro Woche, 20 Wochen.
- Annahme Satz: EUR 840 pro Tag, Mitte der Bandbreite EUR 720–960.
- Rechnung: 4 × 20 = 80 Einsatztage × EUR 840 = EUR 67'200 exkl. MWST.
Rechenbeispiel Schweiz (Mengen und gewählter Satz sind Annahmen)
- Annahme Anlass: Prüfungsfeststellungen zu KYC-Dossiers mit Umsetzungsfrist.
- Annahme Lösung: Senior Compliance Officer (7+ Jahre), 3 Tage pro Woche, 26 Wochen.
- Annahme Satz: CHF 1'400 pro Tag, innerhalb der Bandbreite CHF 1'200–1'800+.
- Rechnung: 3 × 26 = 78 Einsatztage × CHF 1'400 = CHF 109'200 exkl. MWST.
Stellen Sie dem Budget die Kosten der Untätigkeit für denselben Zeitraum gegenüber, etwa die Kanzleistunden, die das Interim-Profil intern übernimmt. Alle Bandbreiten, Kostenfaktoren und ein Vergleich der Modelle stehen im Ratgeber Kosten im Interim Legal & Compliance.
Staff Leasing oder Freelancing im Antrag
Nennen Sie im Antrag das vorgesehene Modell. Im Staff Leasing liegt das fachliche Weisungsrecht grundsätzlich beim Unternehmen, und die Fachkraft ist in die Organisation integriert; in Deutschland heisst das Arbeitnehmerüberlassung, in der Schweiz Personalverleih. Im Freelancing erbringt die Fachkraft ihre Leistung eigenverantwortlich im Rahmen eines vereinbarten Mandats. Beide Modelle sind in Teilzeit oder Vollzeit möglich.
Einwände von Finanzen, HR und Einkauf beantworten
Die meisten Einwände lassen sich vorab im Antrag beantworten. Diese Übersicht hilft bei der Vorbereitung:
- „Der Tagessatz ist höher als ein Gehalt.“ Vergleichen Sie Gesamtkosten für den Zeitraum: Beim Interim-Einsatz entfallen Rekrutierungsaufwand, Kündigungsfristen und Leerlauf nach dem Projekt. Bezahlt wird die vereinbarte Kapazität.
- „Das kann eine Kanzlei machen.“ Für unabhängige Beratung und Vertretung ja. Für laufende interne Arbeit, die im Team bleiben soll, ist eine integrierte Fachkraft oft passender. Der Vergleich von Interim-Jurist, Kanzlei und Festanstellung zeigt die Unterschiede.
- „Wir haben einen Einstellungsstopp.“ Ein Interim-Einsatz ist keine Festanstellung und ist befristet. Ob er unter Ihre interne Headcount-Regel fällt, klären Sie mit HR und Finanzen vorab.
- „Wie wählen wir den Anbieter aus?“ Der Einkauf braucht vergleichbare Angebote. Die RFP-Checkliste für Interim-Anbieter liefert zwölf Fragen dafür.
- „Was, wenn es länger dauert?“ Legen Sie eine Option auf Verlängerung und einen Prüfpunkt zur Halbzeit fest. So bleibt das Budget steuerbar.
- „Ist das rechtlich sauber?“ Im Staff Leasing braucht der Anbieter in Deutschland eine Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit (§ 1 Abs. 1 AÜG), in der Schweiz eine kantonale Bewilligung (Art. 12 AVG). Lassen Sie sich die Erlaubnis zeigen und prüfen Sie im Freelancing die Vertragsstruktur.
Vorlage: Business Case auf einer Seite
Die folgende Gliederung passt auf eine Seite und lässt sich direkt in einen Antrag übernehmen. Jede Zeile beantwortet eine Frage, die Geschäftsleitung, CFO oder HR stellen werden.
| Abschnitt | Inhalt | Datenquelle | Beispiel-Formulierung |
|---|---|---|---|
| 1. Anlass | Was ist passiert, seit wann, bis wann? | HR, Projektplan | „Die Stelle Legal Counsel ist ab 1. März vakant; die Nachbesetzung startet voraussichtlich im August.“ |
| 2. Volumen und Fristen | Offene Vorgänge, Zuwachs, Stichtage | Ticketsystem, Register, Regulatorik | „Offene Vertragsanfragen: Anzahl X, Zuwachs Y pro Woche; Frist Z.“ |
| 3. Kosten der Untätigkeit | Kanzleikosten, Verzögerung, regulatorisches Risiko | Kanzleirechnungen, Fachbereich, Compliance | „Routinearbeit an Kanzleien in den letzten drei Monaten: Stunden × Satz.“ |
| 4. Vorgeschlagene Lösung | Rolle, Seniorität, Modell, Pensum, Dauer | Anforderungsprofil | „Experienced Legal Counsel, Staff Leasing, 4 Tage pro Woche, 20 Wochen.“ |
| 5. Budget | Formel, Satz, Nebenkosten, MWST | Angebot des Anbieters | „80 Tage × Tagessatz = Betrag exkl. MWST.“ |
| 6. Alternativen | Kanzlei, Festanstellung, Priorisierung ohne Zusatzkapazität | eigene Bewertung | „Alternative A kostet mehr, Alternative B löst die Frist nicht.“ |
| 7. Risiken und Steuerung | Was bleibt offen, wer steuert, wann wird geprüft? | Projektplan | „Steuerung durch Head of Legal; Prüfpunkt nach zehn Wochen.“ |
| 8. Antrag | Was genau soll freigegeben werden? | – | „Freigabe Budget bis Betrag X und Beauftragung bis Datum Y.“ |
Halten Sie die Seite nüchtern. Ein klarer Antrag mit eigener Datenbasis und einer kurzen Alternativenprüfung überzeugt mehr als eine lange Argumentation.
Grenzen und Risiken
- Rechenbeispiele sind keine Offerte: Die Bandbreiten sind Richtwerte; den verbindlichen Satz enthält das Angebot für Ihren Einsatz.
- Verantwortung bleibt beim Unternehmen: Alpinum stellt Fachkräfte bereit und erbringt keine Rechtsberatung als Kanzlei. Prioritäten und Entscheidungen legt Ihre Rechtsabteilung fest.
- Unterschätzte Einarbeitung: Planen Sie Einarbeitung und Übergabe ins Budget ein, besonders bei kurzen Einsätzen.
Häufige Fragen zum Business Case für Interim-Unterstützung
Wer muss einen Interim-Einsatz intern freigeben?
Das regelt Ihre interne Kompetenzordnung. Meist geben die Leitung der Rechts- oder Compliance-Abteilung den Bedarf, das Controlling oder der CFO das Budget und der Einkauf den Vertrag frei. HR ist beteiligt, wenn Headcount-Regeln betroffen sind. In Deutschland ist vor dem Einsatz einer überlassenen Fachkraft zudem ein bestehender Betriebsrat zu beteiligen (§ 14 Abs. 3 AÜG, § 99 BetrVG). Klären Sie die Freigabekette vor dem Antrag.
Wie gehe ich mit einem Einstellungsstopp um?
Ein Einstellungsstopp betrifft in der Regel Festanstellungen. Ein befristeter Interim-Einsatz über Staff Leasing oder Freelancing ist keine Festanstellung, wird aber je nach Unternehmen trotzdem budget- oder headcountrelevant behandelt. Klären Sie die Regel mit HR und Finanzen und begründen Sie die Ausnahme mit Frist, Risiko und Kosten der Untätigkeit.
Wie lange sollte ich den Einsatz im Antrag planen?
Planen Sie die Dauer bis zum sachlichen Ende, also bis zum Start der Nachfolge, zur Rückkehr nach der Abwesenheit oder bis zum Projektabschluss, plus Einarbeitung und Übergabe. Vereinbaren Sie einen Prüfpunkt zur Halbzeit und eine Verlängerungsoption. So bleibt der Antrag realistisch und das Budget steuerbar.
Welche Zahlen überzeugen CFOs am meisten?
Belegte Zahlen aus dem eigenen Haus: Kanzleikosten der letzten Monate, Anzahl und Alter offener Vorgänge, konkrete Fristen. Ergänzen Sie das Budget mit einer klaren Formel und einer Alternativenprüfung. Allgemeine Marktzahlen oder hypothetische Bussgelder sind leichter angreifbar als Ihre eigenen Daten.
Nächster Schritt
Für den Antrag brauchen Sie ein belastbares Angebot. Beschreiben Sie Rolle, Pensum, Dauer und gewünschten Beginn; ausgewählte Profile liegen in der Regel innerhalb von 48 Stunden vor, den Einsatzbeginn stimmen Unternehmen und Alpinum gemeinsam ab.
- Kosten im Interim Legal & Compliance
- RFP-Checkliste für Interim-Anbieter
- Staff Leasing für Legal und Compliance
- Bedarf besprechen
Stand: 30. Oktober 2026.
