Externe Rechtsabteilung oder zusätzlicher Legal Counsel? Die Optionen im Vergleich
Bedarf besprechenKurzantwort: Ob sich eine externe Rechtsabteilung lohnt, hängt von Volumen, Vertraulichkeit, gewünschter Steuerung und Kostenlogik ab. Zur Wahl stehen vier Modelle: eine externe Rechtsabteilung über eine Kanzlei oder ein Legal-as-a-Service-Angebot, ein Fractional General Counsel in Teilzeit, ein zusätzlicher fest angestellter Legal Counsel oder ein temporärer Legal Counsel über Staff Leasing oder Freelancing. Eine externe Rechtsabteilung passt bei kleinem, wechselndem Bedarf; je mehr laufende Arbeit im Unternehmen bleiben und von ihm gesteuert werden soll, desto eher lohnt sich eine eigene oder eine temporär integrierte Juristin bzw. ein Jurist.
Dieser Vergleich richtet sich an Geschäftsleitungen, CFOs, General Counsel und Heads of Legal in der Schweiz und in Deutschland, die entscheiden müssen, wie sie juristische Arbeit organisieren. Er zeigt die Vor- und Nachteile einer externen Rechtsabteilung, die drei Alternativen und die Kriterien für die Wahl.
Vier Modelle im Überblick
Die vier Modelle unterscheiden sich vor allem darin, wer die Arbeit steuert und wie sie abgerechnet wird. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.
| Modell | Umfang | Steuerung | Kostenlogik | Passend für |
|---|---|---|---|---|
| Externe Rechtsabteilung (Kanzlei-Retainer, Legal as a Service) | Vereinbartes Leistungspaket oder Kontingent; Anfragen nach Bedarf | Das Unternehmen erteilt Aufträge, die Kanzlei bzw. der Anbieter bearbeitet sie in eigener Verantwortung | Monatspauschale, Kontingent oder Aufwand; Mehraufwand separat | Kleiner, wechselnder Bedarf ohne eigene Rechtsfunktion; Beratung und Vertretung von aussen |
| Fractional General Counsel | Teilzeit, feste Tage oder Stundenkontingent | Das Unternehmen legt Mandat und Prioritäten fest; die Person arbeitet mit Geschäftsleitung und Teams | Tages- oder Stundensatz × vereinbarter Umfang | Regelmässiger Bedarf an juristischer Führung, der noch keine volle Stelle trägt |
| Zusätzlicher Legal Counsel, fest angestellt | Teilzeit oder Vollzeit, unbefristet | Das Unternehmen als Arbeitgeber | Lohn, Lohnnebenkosten, Rekrutierung, Einarbeitung | Dauerhafter, planbarer Bedarf |
| Zusätzlicher Legal Counsel, temporär (Staff Leasing oder Freelancing) | Teilzeit oder Vollzeit, befristet | Staff Leasing: fachliches Weisungsrecht beim Unternehmen; Freelancing: eigenverantwortlich im Rahmen des Mandats | Tages- oder Stundensatz für die vereinbarte Kapazität | Vakanz, Vertretung, Arbeitsspitze, Projekt oder Überbrückung bis zur Festanstellung |
Die Modelle lassen sich kombinieren. Häufig betreut eine Kanzlei Spezialfragen, während eine interne oder temporär integrierte Person das Tagesgeschäft übernimmt.
Externe Rechtsabteilung: Kanzlei-Retainer und Legal as a Service
Eine externe Rechtsabteilung ist ein Modell, bei dem eine Kanzlei oder ein Anbieter von Legal as a Service die juristischen Aufgaben eines Unternehmens gegen Pauschale oder Kontingent übernimmt. Das Unternehmen hat keine eigene Rechtsfunktion oder ergänzt eine sehr kleine.
Vorteile
- Zugang zu mehreren Fachgebieten über einen Ansprechpartner.
- Unabhängige Beratung und, bei Kanzleien, Vertretung vor Gericht und Behörden.
- Planbare Grundkosten bei Pauschale oder Kontingent.
- Kein Rekrutierungs- und Führungsaufwand.
Nachteile
- Weniger Einbindung in interne Abläufe, Systeme und Entscheidungswege.
- Wissen über das Unternehmen bleibt teilweise ausserhalb.
- Bei wachsendem Volumen steigen die Kosten mit jeder Anfrage über das Kontingent hinaus.
- Priorisierung zwischen Anfragen muss das Unternehmen selbst leisten.
Klären Sie vor Vertragsschluss, welche Leistungen im Paket enthalten sind, wie Mehraufwand abgerechnet wird und wer die Kanzleiarbeit intern koordiniert.
Fractional General Counsel: juristische Führung in Teilzeit
Ein Fractional General Counsel übernimmt die juristische Leitung eines Unternehmens in einem vereinbarten Teilzeitumfang, etwa an festen Wochentagen. Anders als eine externe Rechtsabteilung arbeitet die Person mit der Geschäftsleitung und den Fachbereichen zusammen und kennt deren Abläufe.
- Typische Aufgaben: Vertragsanfragen priorisieren, Vorlagen und Freigaben ordnen, externe Kanzleien koordinieren, Entscheidungen vorbereiten.
- Stärke: Führungserfahrung im Haus, ohne eine volle Stelle zu finanzieren.
- Grenze: Ausserhalb des vereinbarten Umfangs besteht keine automatische Bereitschaft. Spezialfragen und gerichtliche Vertretung brauchen gegebenenfalls eine Kanzlei.
Wie sich ein Fractional GC von einer befristeten Leitungsrolle unterscheidet, zeigt der Ratgeber Fractional GC oder Interim Head of Legal. Details zum Modell stehen auf der Seite Fractional General Counsel.
Zusätzlicher Legal Counsel: fest oder temporär
Ein zusätzlicher Legal Counsel passt, wenn bereits eine Rechtsfunktion besteht und laufende Arbeit im Unternehmen bleiben soll. Die Wahl zwischen fester und temporärer Besetzung hängt davon ab, ob der Bedarf dauerhaft oder befristet ist.
Feste Anstellung
Eine Festanstellung ist richtig, wenn der Bedarf dauerhaft und planbar ist und Wissen langfristig im Team aufgebaut werden soll. Sie braucht Zeit für Rekrutierung und Einarbeitung und bindet das Unternehmen über Kündigungsfristen.
Temporärer Legal Counsel
Ein temporärer Legal Counsel überbrückt eine Vakanz, eine Abwesenheit, eine Arbeitsspitze oder ein Projekt. Im Staff Leasing liegt das fachliche Weisungsrecht grundsätzlich beim Unternehmen, und die Fachkraft ist in die Organisation integriert; in Deutschland heisst das Arbeitnehmerüberlassung, in der Schweiz Personalverleih. Im Freelancing erbringt die Fachkraft ihre Leistung eigenverantwortlich im Rahmen des vereinbarten Mandats. Alpinum Solutions stellt Legal Counsel in beiden Modellen bereit, in Teilzeit oder Vollzeit und auf allen Erfahrungsstufen von Junior bis Senior. Bei Alpinum liegt ein Experienced-Profil (3–6 Jahre) im Staff Leasing in Deutschland bei EUR 720–960 pro Tag, in der Schweiz bei CHF 800–1'200 (exkl. MWST, Stand 18.10.2026). Alle Bandbreiten stehen im Ratgeber Kosten im Interim Legal & Compliance.
Entscheidungskriterien: Volumen, Vertraulichkeit, Steuerung, Kosten
Die Wahl folgt aus vier Kriterien. Wer sie ehrlich beantwortet, kommt meist zu einem klaren Ergebnis.
- Volumen und Regelmässigkeit: Wenige, unregelmässige Anfragen sprechen für eine externe Rechtsabteilung. Regelmässige Arbeit in kleinem Umfang spricht für einen Fractional GC. Volle, laufende Auslastung spricht für einen zusätzlichen Legal Counsel.
- Vertraulichkeit und Nähe zum Geschäft: Je stärker die Arbeit interne Daten, Systeme und Entscheidungen berührt, desto eher gehört sie zu einer integrierten Person. Für unabhängige Einschätzungen von aussen bleibt die Kanzlei richtig.
- Steuerung: Wollen Sie Prioritäten täglich selbst setzen, braucht es eine interne oder im Staff Leasing integrierte Person. Reicht eine Beauftragung je Thema, passt ein externes Modell.
- Kostenlogik: Pauschalen und Kontingente sind planbar, solange das Volumen stabil bleibt. Tagessätze für eine vereinbarte Kapazität sind planbar, wenn der Umfang feststeht. Eine Festanstellung lohnt sich bei dauerhaftem Bedarf.
Checkliste: sechs Fragen vor der Entscheidung
- Wie viele juristische Anfragen fallen pro Monat an, und wie gleichmässig?
- Welcher Anteil ist Routine, welcher braucht Spezialwissen oder Vertretung?
- Wer setzt heute die Prioritäten, und wer soll es künftig tun?
- Welche internen Systeme und Daten muss die juristische Funktion nutzen?
- Was kosten externe Anwaltsleistungen heute, und wie entwickeln sie sich?
- Ist der Bedarf dauerhaft, oder gibt es ein absehbares Ende?
Eine Kombination ist oft am wirtschaftlichsten: eine integrierte Person für das Tagesgeschäft und eine Kanzlei für Spezialfragen. Den Vergleich mit der Festanstellung vertieft der Beitrag Interim-Jurist, Kanzlei oder Festanstellung.
Grenzen und Risiken
- Keine Kanzlei: Alpinum stellt Fach- und Führungskräfte bereit und erbringt keine Rechtsberatung als Kanzlei. Unabhängige Beratung und gerichtliche Vertretung bleiben bei Kanzleien.
- Berufsrechtliche Fragen: In Deutschland ist die selbständige Erbringung von Rechtsdienstleistungen in konkreten fremden Angelegenheiten erlaubnispflichtig (§§ 2, 3 RDG). Wer einen Legal Counsel im Freelancing einsetzt, klärt deshalb vorab, wie Aufgaben und Verantwortung ausgestaltet sind. Bei Arbeitnehmerüberlassung ist berufsrechtlich der Verleiher der Arbeitgeber; eine Zulassung als Syndikusrechtsanwalt für den Einsatz scheidet deshalb aus (BGH, Urteil vom 20.03.2023, AnwZ (Brfg) 12/21). Entschieden hat der BGH den Fall einer Kanzlei als Entleiherin; dass für Rechtsabteilungen von Unternehmen dasselbe gilt, ist eine naheliegende, aber nicht ausdrücklich entschiedene Folgerung.
- Vertraulichkeit im Verfahren: In der Schweiz kann eine Partei im Zivilprozess seit 1.1.2025 die Herausgabe von Unterlagen ihres unternehmensinternen Rechtsdienstes verweigern, unter anderem wenn das Unternehmen im Handelsregister eingetragen ist, der Rechtsdienst von einer Person mit Anwaltspatent geleitet wird und die Tätigkeit bei einem Anwalt berufsspezifisch wäre (Art. 167a ZPO). Ob das auch für eine temporär eingegliederte Fachkraft gilt, ist nicht entschieden.
- Verantwortung: In allen Modellen trifft das Unternehmen die Entscheidungen; die Rollen- und Befugnisverteilung gehört vor dem Start in die Vereinbarung.
- Wissensverlust: Bei externen und temporären Modellen geht Wissen verloren, wenn Dokumentation und Übergabe fehlen.
Häufige Fragen zur externen Rechtsabteilung
Ab welcher Grösse braucht ein Unternehmen eine eigene Rechtsabteilung?
Eine feste Grösse gibt es nicht. Entscheidend sind Volumen und Regelmässigkeit der juristischen Arbeit, die Regulierungsdichte der Branche und die Kosten externer Beratung. Wenn laufende Anfragen eine Person regelmässig auslasten oder die Anwaltskosten für Routinearbeit stetig steigen, lohnt sich eine eigene Rechtsfunktion. Ein Fractional GC kann den Übergang vorbereiten.
Was ist ein externer Justiziar?
Als externer Justiziar wird meist eine Anwältin oder ein Anwalt bezeichnet, die oder der für ein Unternehmen ohne eigene Rechtsabteilung dauerhaft als erste Anlaufstelle für Rechtsfragen tätig ist, oft über einen Retainer. Der Begriff ist nicht gesetzlich definiert. Er beschreibt ein Kanzleimandat, keine Anstellung im Unternehmen.
Kann ein Fractional GC eine externe Rechtsabteilung ersetzen?
Teilweise. Ein Fractional GC übernimmt Führung, Priorisierung und Tagesgeschäft im Unternehmen und steuert externe Kanzleien. Für unabhängige Gutachten, Spezialgebiete und gerichtliche Vertretung braucht es weiterhin eine Kanzlei. Sinnvoll ist oft eine Kombination: Der Fractional GC bündelt die Anfragen, die Kanzlei bearbeitet ausgewählte Mandate.
Was ist günstiger: externe Rechtsabteilung oder eigener Legal Counsel?
Das hängt vom Volumen ab. Bei wenigen Anfragen ist eine Pauschale oder ein Kontingent meist günstiger. Bei regelmässiger, voller Auslastung wird eine eigene oder temporär integrierte Person wirtschaftlicher, weil keine Kosten je Anfrage anfallen. Vergleichen Sie die Gesamtkosten der letzten zwölf Monate mit dem Budget einer integrierten Lösung.
Kann ich mit einem temporären Legal Counsel testen, ob sich eine Stelle lohnt?
Ja. Ein temporärer Einsatz zeigt, wie viel juristische Arbeit tatsächlich anfällt und welches Profil gebraucht wird. Halten Sie Volumen und Aufgaben während des Einsatzes fest. Ein Wechsel ins Team (Temp-to-Perm) ist möglich; die Konditionen werden vorab vereinbart.
Nächster Schritt
Beschreiben Sie Volumen, Aufgaben und gewünschte Steuerung; daraus ergibt sich das passende Modell. Ausgewählte Profile liegen in der Regel innerhalb von 48 Stunden vor; den Einsatzbeginn stimmen Unternehmen und Alpinum gemeinsam ab.
- Fractional General Counsel: juristische Leitung in Teilzeit
- Fractional GC oder Interim Head of Legal
- Interim-Jurist, Kanzlei oder Festanstellung
- Bedarf besprechen
Stand: 30. Oktober 2026.
