Wiedereinstieg nach Elternzeit oder Pause: Interim-Mandate als Brücke
Kurzantwort: Der Wiedereinstieg als Juristin oder Jurist nach Elternzeit oder Pause gelingt oft über ein Interim-Mandat: ein klar umrissener Einsatz mit vereinbartem Pensum, Ende und Ansprechperson. Staff Leasing und Freelancing sind in Teilzeit und Vollzeit möglich, sodass Sie mit reduziertem Pensum starten können; in Deutschland ist Teilzeit bis 32 Wochenstunden sogar während der Elternzeit erlaubt (§ 15 Abs. 4 BEEG). Entscheidend sind ein aktualisiertes Fachwissen, ein Profil mit konkreten Aufgaben und eine offene, kurze Erklärung der Pause.
Dieser Beitrag richtet sich an Juristinnen, Juristen und Compliance-Fachleute in der Schweiz und in Deutschland, die nach Elternzeit, Mutterschaftsurlaub, Sabbatical, Pflegezeit oder Krankheit zurückkehren wollen. Er zeigt, warum Interim-Mandate helfen, welche Einsätze sich für Teilzeit eignen und wie Sie Wissen und Profil auffrischen.
Warum Interim-Mandate den Wiedereinstieg erleichtern
Interim-Mandate erleichtern den Wiedereinstieg, weil sie Aufgabe, Pensum und Dauer von Anfang an festlegen. Sie arbeiten an einem konkreten Anlass, etwa einer Vertretung oder einem Projekt, und können nach dem Einsatz entscheiden, wie es weitergeht.
- Klarer Rahmen: Unternehmen holen Interim-Unterstützung für einen bestimmten Bedarf. Erwartungen an Ergebnis und Umfang sind dadurch meist greifbar.
- Aktuelle Praxis: Ein Einsatz von einigen Monaten füllt die Lücke im Lebenslauf mit aktueller Erfahrung.
- Neues Umfeld testen: Branche, Unternehmensgrösse oder Fachgebiet lassen sich wechseln, ohne sich sofort festzulegen.
- Weg in die Festanstellung: Ein Übertritt zum Einsatzunternehmen ist möglich. In der Schweiz sind Abreden nichtig, die ihn erschweren (Art. 19 Abs. 5 AVG); in Deutschland sind Übernahmeverbote unwirksam (§ 9 Abs. 1 Nr. 3 AÜG).
- Anstellung oder Selbständigkeit: Im Staff Leasing sind Sie angestellt und sozialversichert; im Freelancing arbeiten Sie eigenverantwortlich. Die Unterschiede zeigt der Beitrag Interim- und Projektarbeit für Juristen.
Teilzeit-Einsätze: welche Aufgaben passen
Teilzeit-Einsätze passen vor allem zu Aufgaben mit planbarem Volumen und wenig kurzfristiger Eskalation. Bei einer Vertretung mit viel Tagesgeschäft erwarten Unternehmen eher ein hohes Pensum; bei Projekten und Spezialthemen ist Teilzeit häufiger.
| Pensum | Geeignete Einsätze | Was Sie vorab klären |
|---|---|---|
| 20–40 % | Fractional-Mandat, Datenschutz-Anfragen, Vertragsvorlagen, Schulungen, Policy-Updates | Feste Arbeitstage, Reaktionszeiten, Stellvertretung |
| 50–60 % | Vertragsprüfung, regulatorisches Teilprojekt, KYC-Reviews, Legal-Operations-Projekt | Prioritäten, Übergabe an Tagen ohne Präsenz, Fristen |
| 80–100 % | Elternzeit- oder Vakanzvertretung, Taskforce, Transaktion | Erreichbarkeit, Remote-Anteil, Möglichkeit einer späteren Reduktion |
Die Bandbreiten sind eine allgemeine redaktionelle Orientierung, keine feste Regel und keine Zusage für einen bestimmten Einsatz. Das Pensum vereinbaren Sie jeweils mit dem Unternehmen. Klären Sie früh, wie viel Präsenz vor Ort nötig ist und ob Sie auch remote arbeiten können.
Rechtliche Eckpunkte rund um die Familienzeit
- Deutschland: Während der Elternzeit ist Teilzeit bis 32 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt erlaubt (§ 15 Abs. 4 BEEG). Wollen Sie diese Teilzeit nicht bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber leisten, sondern bei einem anderen Unternehmen oder selbständig, klären Sie die Voraussetzungen vorab mit Ihrem bisherigen Arbeitgeber und halten Sie das Ergebnis schriftlich fest.
- Schweiz: Wöchnerinnen dürfen 8 Wochen nach der Niederkunft nicht und danach bis zur 16. Woche nur mit ihrem Einverständnis beschäftigt werden (Art. 35a Abs. 3 ArG). Die Mutterschaftsentschädigung wird während 98 Tagen ab der Niederkunft ausgerichtet (Art. 16c EOG). Wie sich eine frühere Rückkehr in den Beruf auf die Entschädigung auswirkt, klären Sie vor dem Start mit Ihrer Ausgleichskasse.
Wissen auffrischen: so holen Sie den Stand auf
Wissen frischen Sie am schnellsten auf, indem Sie gezielt die Themen nacharbeiten, die in Ihrem Fachgebiet seit Beginn der Pause neu sind. Eine Liste der Änderungen ist wertvoller als ein breiter Kurs.
- Änderungen erfassen: Welche Gesetze, Rundschreiben oder Leitentscheide sind in Ihrem Gebiet neu? In der Schweiz gilt zum Beispiel seit 1.1.2025 ein Verweigerungsrecht im Zivilprozess für den unternehmensinternen Rechtsdienst (Art. 167a ZPO).
- Regulatorische Treiber kennen: Viele Interim-Projekte drehen sich um DORA, NIS2, den EU AI Act sowie AML und KYC. Ein Grundverständnis dieser Themen öffnet zusätzliche Einsätze.
- Werkzeuge üben: Vertragsmanagement-Systeme, Datenräume, KYC- und Screening-Tools, KI-Assistenten. Nennen Sie im Profil, was Sie bedienen können.
- Kurz und belegbar weiterbilden: Ein Fachseminar, ein Zertifikatskurs oder eine Tagung zeigt, dass Sie auf dem aktuellen Stand sind.
- Netzwerk aktivieren: Frühere Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte wissen, wo gerade Bedarf entsteht.
Profil auf den Punkt bringen
Ein Profil für den Wiedereinstieg zeigt zuerst, was Sie können, und erklärt die Pause in einer Zeile. Unternehmen lesen Interim-Profile nach Aufgaben, Fachgebieten und Ergebnissen, nicht nach lückenlosen Jahreszahlen.
- Pause in einer Zeile: zum Beispiel „Elternzeit, 2024–2026; Weiterbildung im Datenschutzrecht 2026“. Kein Rechtfertigungsabsatz.
- Aufgaben statt Titel: Welche Verträge, Verfahren, Projekte oder Prüfungen haben Sie verantwortet oder betreut?
- Fachgebiete, Branchen, Sprachen: knapp und konkret, etwa „Vertragsrecht, Datenschutz; Industrie, Finanzdienstleister; Deutsch, Englisch, Französisch“.
- Arbeitsmodell: Wunschpensum, bevorzugte Tage, Remote-Anteil, Staff Leasing oder Freelancing.
Wie ein Interim-Lebenslauf im Detail aufgebaut ist, zeigt der Beitrag Profil und Lebenslauf für Interim-Mandate.
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Häufige Fragen zum Wiedereinstieg mit Interim-Mandaten
Gibt es Interim-Mandate in Teilzeit?
Ja. Staff Leasing und Freelancing sind in Teilzeit und Vollzeit möglich. Gut geeignet sind Aufgaben mit planbarem Volumen, etwa Vertragsarbeit, Datenschutz, Policy-Projekte oder ein Fractional-Mandat. Vereinbaren Sie feste Arbeitstage, Reaktionszeiten und eine Stellvertretung. Bei Vertretungen mit viel Tagesgeschäft erwarten Unternehmen eher ein hohes Pensum, das Sie im Gespräch klären.
Wie erkläre ich eine Lücke im Lebenslauf?
Kurz, sachlich und an der richtigen Stelle. Eine Zeile mit Zeitraum und Grund genügt, etwa „Elternzeit“ oder „Pflege eines Angehörigen“. Ergänzen Sie, was Sie in dieser Zeit fachlich gemacht haben, zum Beispiel eine Weiterbildung. Begründungen oder Entschuldigungen braucht es nicht. Wichtiger ist, dass Aufgaben und Ergebnisse vor der Pause klar beschrieben sind.
Kann ich während der Elternzeit schon einen Einsatz annehmen?
In Deutschland ist während der Elternzeit Teilzeit bis 32 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt erlaubt (§ 15 Abs. 4 BEEG). Für eine Tätigkeit bei einem anderen Unternehmen oder als Selbständige stimmen Sie sich vorab mit Ihrem bisherigen Arbeitgeber ab. In der Schweiz gilt nach der Geburt ein Beschäftigungsverbot von 8 Wochen (Art. 35a Abs. 3 ArG). Klären Sie die Auswirkungen auf die Mutterschaftsentschädigung vor dem Start mit Ihrer Ausgleichskasse.
Wie lange sollte der erste Einsatz dauern?
Das hängt vom Anlass ab. Interim-Einsätze dauern von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten oder länger. Für den Wiedereinstieg ist ein Einsatz von einigen Monaten oft sinnvoll: lang genug, um Wirkung zu zeigen und Referenzen zu sammeln, kurz genug, um danach Pensum oder Richtung anzupassen.
Nächster Schritt
Wenn Sie zurückkehren wollen, legen Sie Ihr Profil an und nennen Sie Wunschpensum, Fachgebiete und frühesten Starttermin.
- Karriere: Legal- und Compliance-Jobs als Projektjurist
- AlpinumHub: Profil und Unterlagen verwalten
- Interim- und Projektarbeit für Juristen: der Einstieg
- Profil und Lebenslauf für Interim-Mandate
Stand: 30. Oktober 2026.
